Wustweiler Brief 2003

Wustweiler, im Dezember 2003

Hallo, Ihr Lieben in Nah und Fern,

auch in diesem Jahre schicken wir Euch Grüße, von Wustweiler aus in viele Teile der Welt. Auch dieser Brief soll wieder eine Brücke sein – aus der alten, in die – wie wir hoffen, neue Heimat. Eine „neue“ Heimat, die für manchen unserer Adressaten in- zwischen schon Jahrzehnte andauert. Wustweiler, das ist für die „Ehemaligen“ der Ort der Kindheit, der Jugend. Dieser Ort hat für die allermeisten wohl auch heute noch seinen vertrauten Platz.

Nicht jeder von Euch kann noch heim – in diesem Falle ist Wustweiler gemeint – „zu seinen Leuten“ fahren. Das liegt einerseits für Manchen am Alter, auch an Gebrech- lichkeit. Andererseits gibt es für Manche „diese Leute“ nicht mehr, sind sie mittler- weile verstorben. Bleiben noch die Gräber, die man aufsuchen kann. Doch auch sie verschwinden mit der Zeit, bzw. sind nicht mehr sichtbar. Nur noch die Stelle ist da, an der man einst gebetet und seinen Gedanken nachgehangen hat. Der Arbeitskreis Heimatkunde hat gerade ein neues Projekt in Angriff genommen. Er möchte eine Liste mit all den Personen erstellen, die seit 1924 auf dem Wustweiler Friedhof be- stattet worden sind. Die Verwirklichung des Projektes wird eine Weile dauern. Unse- re ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner halten wir auf dem Laufenden.

Zweiundzwanzig Jahre lang war er unser Ortsvorsteher. Viele der Wustweiler Briefe hat er mit unterzeichnet. Am 30. September hat uns Aloys Alt verlassen.
81 Jahre wurde er alt. Er fehlt seiner Familie, uns, seinem Dorf. Zwei weitere Namen seien stellvertretend für die Toten des Jahres 2003 genannt. Es sind die Namen zweier Männer, die sich ebenfalls in der Dorfgemeinschaft engagiert haben. Josef Graus war lange Knappschaftsältester, war Vorsitzender der St. Barbara Bruderschaft und des Pensionärvereins. Hermann Mohr hat sich Jahrzehnte um die Pfarrgemeinde Herz- Jesu verdient gemacht. Bei unseren Dorffesten hat er den Berufsstand des „Wän- nersch“ bzw. des Stellmachers älteren und vor allem jungen Leuten näher gebracht.
Um die Toten trauern ist wichtig. Genau so wichtig ist es, dankbar zu sein.

Nirgendwo bleibt die Zeit stehen, auch nicht bei uns. Natürlich hat sich unser Dorf und die gesamte Gemeinde auch in diesem Jahre weiterentwickelt. Das gilt etwa für Projekte im Straßen- und Schienenbau. In Illingen gibt es derzeit zwei Großbaustel- len. Illingen wird neuer Eisenbahnknotenpunkt. Von Illingen geht’s zukünftig direkt über die „Wemmetsweiler Kurve“ nach Merchweiler. Ende des Jahres, vermutlich aber doch etwas später, ist es soweit. Dann fahren auch wieder Züge durch Wustwei- ler. Es ist schon seltsam, in der Zeit des derzeitigen Schienenersatzverkehres die für unser Dorf so selbstverständlichen Geräusche nicht zu hören. An der Einmündung der Brückenfeldstraße in die Illinger Straße entsteht ein neuer Kreisel. Vor Allem die Linksabbieger, von Uchtelfangen her kommend, wird’s freuen. Sein Gesicht verän- dert hat der Hosterhof auch an anderer Stelle. So ist das ehemalige Haus Bickelmann zu Gunsten eines Parkplatzes verschwunden.

Das Großprojekt Statio des vorigen Jahres mit ihren wertvollen Gemälden und Kunstgegenständen wurde zum erwarteten Anziehungspunkt. Mittwochs- und sonntags nachmittags steht die Statio der Familie Meiser in der Waldstraße zur Besichtigung offen.

Erhaltung und Weiterentwicklung – das ist für Vieles eine Daueraufgabe, gilt etwa auch für den musisch-kulturellen Bereich. Der Katholische Kirchenchor „Cäcilia“ wurde 80 Jahre alt. Mit einem eindrucksvollen Kirchenkonzert, an dem auch der MGV 1881 beteiligt war, zeigte er unter Beweis, was er auch heute noch kann. Der Männergesangverein 1881 stellte sich seinerseits einer anderen Herausforderung. Mehrfach begab er sich ins Tonstudio. Herausgekommen ist eine CD, die sich wahrlich hören lassen kann. Am 7. November ist die CD mit 17 wunderschönen Liedern „auf den Markt“ gekommen. Wer Interesse daran hat, kann sich mit Gregor Engel, Telefon 06825 47112, in Verbindung setzen. „Wustock“, das Benefizfestival, das es seit 1997 gibt, konnte in diesem Jahre erstmals als Open-Air über die Bühne gehen. Wenn sie auch für die Nachbarschaft mitunter etwas laut wurden: Es waren wunder- schöne Tage im August auf dem Wustweiler Dorfplatz vor der Seelbachhalle. 12.000 Euro Spendengelder kamen zusammen. Etliche unserer ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohner waren übrigens mit dabei und fühlten sich wohl daheim.

Daheim, das hat was mit Heimat zu tun. „Heimat“ ist für jeden etwas anderes. Was ist Heimat? Ein Ort? Ein Zustand? Ein Gefühl? Auf jeden Fall ist es die ewige Sehn- sucht nach Geborgenheit. Diese Geborgenheit wünschen wir jedem von Euch.

In diesem Sinne sagen wir Euch – stellvertretend für die Leute unseres Dorfes –

gesegnete Weihnachten und ein gutes, friedvolles Jahr 2004!

Hans Dieter Schwarz Rudi Marx
Bernhard Schmidt
Ortsvorsteher Heimat- und Kulturpfleger Vorsitzender Heimat und Verkehrverein

 

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